Avatar – 160 Minuten durch die Brille
Die Story ist schnell erzählt: Im Jahre 2154 gibt es Begehrlichkeiten seitens des Homo Sapiens auf dem Planeten Pandora. Das Objekt der Begierde ist ein wertvoller Stoff namens Unobtanium. Dieses Material gibt es zwar nicht und wird laut Wikipedia auch nur für B-Movies verwendet (kleine Bemerkung am Rande), aber das tut nichts zur Sache. Das Problem ist, dass einige Bewohner von Pandora (genannt Na`vi) im Wege sind, weil sie ausgerechnet auf der Hauptmine des Rohstoffes wohnen. Es soll zunächst versucht werden, diese zum umsiedeln zu bewegen. Dafür bedient man sich geklonter Körper der Pandorianer, die die Wissenschaftler mittels Gedankenaustausch steuern können. Diese Klone – so genannte Avatare – sollen sich unters Volk mischen und das Vertrauen der Na`vi erwirken. Da dies dem Konzern, der die Schürfrechte des o. g. Rohstoffes besitzt zu lange dauert, ergreift man militärische Mittel und es kommt zu einer großen Schlacht. Es darf geraten werden, ob das Militär gewinnt, oder die Ureinwohner (die von den Erd-Wissenschaftlern wichtige Unterstützung erfahren).
Fazit: Obwohl es sich um eine schwarz-weiß-Story mit vorhersagbarem Ausgang handelt, ist der Film doch mit großer Liebe zum Detail umgesetzt. Nicht nur aus technischer Sicht (s. u.). Der gesamte Planet und die Bewohner sind künstlerisch in Szene gesetzt. Alles leuchtet und blüht. Eine großartige Welt, wenngleich einem überall gefährliche Urzeit-Tiere (hier würde man Saurier und Drachen sagen) begegnen. Das Genre könnte man mit Comic-Fantasie-Sci-Fi bezeichnen. Die großen Themen des Filmes sind natürlich Gleichgewicht der Natur und deren Schutz, Respekt vor anderen Völkern – zumindest wenn sie friedlich und liebenswert sind – und deren Lebensweise. Dass es sich auch um einen Antikriegsfilm handelt, ist offensichtlich.
Letztlich ist das auch alles einleuchtend, sofern man ausblendet, dass der Mensch egoistisch ist. Ich vermute, die meisten Menschen (auch alle, die hier auf Seiten der Na`vi sind – was ja die meisten Kinogänger waren und das ist auch gut so!) würden es in der realen Welt billigend in Kauf nehmen, dass die Ureinwohner platt gemacht und der Rohstoff ausgebeutet wird – sofern man dadurch ein besseres Leben führen könnte. Wichtig dafür ist natürlich (das weiß jeder Politiker), dass der Kampf ausgeblendet und die Anderen als Feinde (Terroristen?) dargestellt werden. Hier aber lehnt man sich gerne zurück und freut sich, dass das Gute gewinnt (obwohl ich kein großer Freund von Happy Ends bin). Was aber, wenn das Überleben der Menschheit von dem Rohstoff abhinge und man diesen nicht bekommt? So einfach wie im Film ist es im normalen Leben natürlich nicht.
Damit man einschätzen kann, wo ich cineastisch stehe und wie also meine Bewertung einzuordnen ist noch folgendes: Ich gebe zu, normalerweise hätte mich ein Film wie Avatar nicht sonderlich interessiert. Zwar sehe ich mir auch mal Triviales an, aber wenn, dann weniger infantile Animationsfilme sondern eher mal anderes unterhaltsames, oder was spannendes, was blutrünstiges oder einfach hirnlose Action. Selbst ich muss nicht immer nur Anspruchsvolles ansehen. Die Mischung macht`s (auch wenn das Gewicht auf der niveauvollen Seite liegen sollte). Reine Kinderfilme habe ich lange nicht gesehen, weder Filme wie „Ice Age“ noch Filme wie „Harry Potter“ – was ich natürlich auch nicht gelesen habe, denn beim Lesen habe ich noch strengere Maßstäbe.
So, habe ich was vergessen? Achja, wer es noch nicht weiß: Avatar ist übrigens im 3-D-Format gedreht. Hierbei handelt es sich um eine hübsche Spielerei, die nicht nur mehr räumliche Tiefe vermittelt, sondern auch die Handlung auf der Leinwand quasi näher an einen ranholt. Dinge und Personen ragen scheinbar aus der Leinwand heraus und man hat den Eindruck, dass sie im Kino vor einem schweben. Fühlt man sich dadurch direkt im Geschehen drin? Ich persönlich fand das nicht. Zumindest hier war jede Sekunde klar, dass ich nur Zuschauer eines Filmes bin. Auch in Zukunft dürfte es schwierig werden, den Zuschauer direkt in die Handlung einzubeziehen. Letztlich bleiben kleine Gags wie in der Werbung, als ein kleines 3-D-Eichhörnchen direkt mit den Kinobesuchern sprach und mitteilte, dass es gleich was „auf die Nuss“ gibt. Allerdings wäre das auch ohne 3-D ganz nett gewesen.
Trotzdem kann man nunmehr verkünden, dass es nun doch endlich 3-D-Filme gibt. In den 80er Jahren bin ich nämlich in einem Lebenstedter Kino namens „Gondel“ einem großen Betrug aufgesessen, bei dem schon behauptet wurde, dass man im Besitz von 3-D-Technik ist. Auch damals musste man dafür eine spezielle Brille aufsetzten. Wenn es nicht längst verjährt wäre, müsste man dem damaligen Kinobetreiber „auf die Nuss“ geben. Alternativ könnte man ihm – wenn man nicht altersmilde wäre – seine grün-rote Brille (nicht politisch) in den Allerwertesten schieben.
Mit über 20 Jahren Verspätung ist es aber nun endlich technisch geglückt (da war scheinbar die Mondlandung einfacher). Ob das aber nun Standard wird, bleibt abzuwarten. Wer will schon immer eine Brille aufsetzen – und ist es wirklich erforderlich, zumal die Produktion der Filme deutlich teurer ist? Gut, einen Schnackselfilm in 3-D würde ich mir auch gerne mal ansehen, besser ist aber 4-D oder 5-D (mindestens). Ich hoffe, Hollywood arbeitet schon dran. Aber wenn besagter Kinobesitzer demnächst behauptet, dass man bei ihm 4-D-Filme ansehen kann, sollte man das lieber ignorieren.
Ich bereue nicht, Avatar gesehen zu haben. Einspielergebnisse sind zwar m. E. nicht gleichbedeutend mit der Qualität eines Filmes, aber ich fände es gerechtfertigt, wenn David Cameron in den nächsten Wochen seinen eigenen Rekord bricht. Schon nach weniger als einem Monat ist Avatar der zweiterfolgreichste Film. Und das auch nur noch knapp hinter dem Film, der schon über 12 Jahre Zeit hatte, Geld einzuspielen (Titanic – ein Film bei dem es um eine Liebesgeschichte auf einem sinkendem Schiff geht und den ich mir selbstverständlich nicht angesehen habe).
So oft gehe ich ja ohnehin nicht ins Kino. Daran wird auch die Kino-Flatrate nichts ändern, solange dieses „Angebot“ kein wirklich günstiges ist. Mit der silbernen Kinocard müsste man nämlich mehr als einmal pro Woche ein halbes Jahr ins Kino gehen und hat dabei noch nichtmal Gewinn gemacht. Die goldene Kino-Card ist zwar hundert Euro günstiger als zweimal silber, aber auch hier müsste man wirklich jeden Film ansehen, um ein paar Cent pro Film zu sparen.
Es grüßt Euch: KP



