Gastblog: Urlaub & Lektüre

Die Urlaubszeit ist vorüber und mein persönlicher (er kann schon so was von sich sagen) Gastblogger KP weilte mit diversen Urlaubslektüre auf Sardinien, die er mir und Euch nicht vorenthalten möchte. Bitte schön!

3 Wochen Urlaub am Stück – herrlich. Hatte ich seit 5 Jahren nicht mehr. Auch verreist war ich endlich wieder mal für zwei Wochen. Sardinien war wie gewohnt sehr schön. Immer noch Geheimtip (erstaunlich)! Diesmal sogar mit noch weniger Touristen als ohnehin üblich. Naja, die Leute kennen Malle, also fahren Sie (dem Herdentrieb folgende) alle nach Malle (oder Türkei). Soll mir recht sein, dann habe ich diese schöne mediterrane Insel mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, den tollen Stränden und ganz zu schweigen vom guten Essen und dem schönen Wetter (fast) alleine für mich. Das Meer war so warm wie nie und das lag definitiv nicht an dem Zwang, sobald man im Wasser ist, dieses als riesiges Urinal zu nutzen. Insgesamt war Entspannung angesagt. Einmal zur „Grotta del Bue Marino“ und das war es auch schon. Schön war es trotzdem, zumal ich erstmals mit einem kleinen schnellen Motorboot über das Meer gebraust bin und die Grotte wirklich recht eindrucksvoll und groß (der Öffentlichkeit sind immerhin 1,2 KM zugänglich!!!) ist. Zudem haben wir wieder eine neue Nuraghe (prähistorischen und frühgeschichtlichen Turmbauten der Bonnanaro-Kultur (ca. 1800–1500 v. Chr.) – näheres siehe Wikipedia) gesehen, die wir noch nicht kannten.

Und ich hatte Zeit zum Lesen. Als SPIEGEL-Abonnent (der wöchentlich wirklich den kompletten SPIEGEL liest) habe ich ja daneben wenig Zeit mehr zu lesen (man ist ja leider voll beschäftigt mit menschenunwürdigen 40 Stunden pro Woche und hat daneben einen Haushalt zu versorgen – Doppelbelastung halt). Ich lese ja immerhin noch selber (und lasse nicht ausschließlich lesen wie der Betreiber dieser Seite hier). Obwohl es ja dort an echten Büchern im Hause nicht mangelt, da die Hausherrin ja zum Glück das Niveau hochhält. Im Gegensatz zum Hausherren hat sie sich „Hummeldumm“ (siehe Hörbuchrezension, die ich so euphorisch nicht teile, obwohl Tommy Jaud natürlich sonst super ist) nicht nur angehört! Hier aus diesem Grunde eine kleine Buchempfehlung (mal was anderes als eine Hörbuchempfehlung, die ja durch den Vortragenden oft subjektiv beeinflusst wird) aus meiner Urlaubslektüre:

vermessung_der_welt- (endlich) „Die Vermessung der Welt“ (Daniel Kehlmann) – Muss man gelesen haben. Der internationale meistverkaufte Bestseller eines deutschsprachigen Autoren der letzten 30 Jahre. Bestseller heißt zwar nichts, da regelmäßig auch banaler Mist in die Bestsellerlisten gespült wird (z. B. Charlotte Roach – s. u. – oder das Kinderbuch Harry Potter, das auch von 40jährigen Frauen mit Hauptschulabschluss gerne „gelesen“ wird). Die „Vermessung der Welt“ ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch höchst lehrreich (was jetzt viele wieder abschrecken wird). Immerhin spielt der historische Roman teilweise in Braunschweig und Göttingen, da er nun mal die fiktive Begegnung zwischen Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß und deren Biografien beschreibt und anschaulich mit Leben füllt.

diearbeitdernacht„Die Arbeit der Nacht“ (Thomas Glavinic) – Einer meiner Lieblingsautoren der letzten Jahre hat mich mit seinem neuen Werk nicht enttäuscht. Der Österreicher ist ein echtes Schreibtalent – ebenso wie sein Freund Daniel Kehlmann. Erstaunlich: In dem Roman wird nicht übermäßig getrunken. Die Figur ist entsprechend nicht autobiographisch. Der (einzige) Protagonist ist seit dem 3. Juli alleine auf der Welt. Alle Menschen und Tiere sind weg. Das ist als Idee zwar nicht neu, aber nicht nur anders als in diversen Filmen, sondern auch noch gut geschrieben. Bislang dachte ich, dass man für einen guten Roman Dialoge benötigt. Diese bleiben hier logischerweise aus, aber die Mischung aus Erinnerungen und wildem Aktionismus treiben die Geschichte auf knapp 400 Seiten voran, ohne dass es langweilig wird. Das kann nur ein hervorragender Schreiber. Obwohl das Ende Geschmackssache ist, hat es sich wieder gelohnt.

g_Besen„Der Besen im System“ (David Foster Wallace) – Das Erstlingswerk von 1987, das er mit 25 Jahren geschrieben hat. Da ich viel von dem amerikanischen Wunderkind gehört habe, wollte ich mich mal dran versuchen. Und in der Tat war das – insbesondere für die 80`er Jahre ziemlich modern. Ein großes Sprachtalent, das später viele Erfolge gefeiert hat, und leider im September 2008 Suizid begangen hat. Er litt an Depressionen. Die Story ist eine Verwicklung mehrerer Personen, die sich nach vielen Jahren wieder begegnen und ihre Psychosen ausleben. Mal was anderes, aber sicher nichts für Jedermann. Die neueren Romane von Foster sind vermutlich ausgereifter.

„Seichtgebiete“ (Michael Jürgs) – Von einem renommierten (ehemaligen) Stern-Chefredakteur hätte man eine intelligente, sachliche aber durchaus unterhaltsame Kritik der medialen „Seichtgebiete“ erwartet. Leider sollte wohl nur schnell Kasse mit dem Titel (in Anlehnung an eine erfolgreiche Fäkalautorin – s. o.) gemacht werden. Fazit: Seicht

dieanstalt„Die Anstalt“ (John Katzenbach) – Von Zeit zu Zeit mal einen Psychothriller (sonst lieber als – nein, nicht Hörbuch, sondern direkt als Film) zu lesen, ist nicht verkehrt. Die Mischung macht es einfach. Es gibt ja Leute, die lesen immer nur das Gleiche Genre, oder lesen überhaupt nicht, aber wer hauptsächlich anspruchsvolles liest, sieht und hört, darf auch mal unterhaltsames oder spannendes genießen. Schon auf der ersten Seite merkt man, dass das Buch hervorragend wird. Wichtig ist ja bei dieser Massenware (das Genre ist ja fast ausgereizt), dass jemand wirklich schreiben kann. Und das kann Katzenbach. Chapeau!

Über den Autor des Beitrages KP KP, die Kurzform von Klaus-Peter, ist in Braunschweig beheimatet und schreibt gelegentlich einige Zeilen über das Treiben vor und hinter den TV-Bildschirmen auf diesen Seiten. In früherer Vorzeit veröffentlichte er unter dem Pseudonym "Tante Trude" Texte in der Jugendzeitschrift "klartext".

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